Deutsch-Polnische Gesellschaft möchte regelmäßigen Austausch der Landwirte initiieren

-Siegmar Syffus- Senden - Bildungsreisen nach Warschau, Danzig und in Sendens Partnerstadt Koronowo, durch Schlesien und Masuren, Vorträge, Lesungen und Bigosessen: Die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Senden ist vielfältig und umfasst sowohl politische, (land-)wirtschaftliche und geschichtliche Themen als auch das kulturelle Leben und das gesellige Miteinander. Zu einer festen Einrichtung sollen Besuche der Landwirte und Landfrauen sowie Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben in Polen und Deutschland werden, die bis dato eher sporadisch stattfanden, berichtet DPG-Vorsitzender Hans-Jürgen Pohl.

Die Initiative gehe auf DPG-Vorstandsmitglied Franz-Josef Lintel-Höping zurück, der seit dem ersten Besuch polnischer Landwirte in Senden im Juni 2007 mit den Berufskollegen in Koronowo in Kontakt steht. Die ursprünglich „ärmlichen Strukturen“ in der polnischen Landwirtschaft seien mit „Riesenschritten“ auf die EU-Standards zugegangen, erläutert Lintel-Höping. Mittlerweile werden „Gespräche über Kosten und Ertrag, über Qualität und Produkte mit den polnischen Berufskollegen auf Augenhöhe geführt“.

Für Hans-Jürgen Pohl ist die Begegnung der Landwirte ein weiterer wichtiger Baustein für die Arbeit der DPG Senden: „Viele Deutsche kennen Polen nicht richtig, haben aber eine Meinung über Polen, ohne zu wissen, was dort wirklich passiert oder warum etwas in Polen passiert“, sagt der Vorsitzende. Diese Haltung betreffe vor allem die politische und gesellschaftliche Entwicklung seit 2015 unter der PiS-Regierung.

Eine Basis für gut nachbarschaftliche Ost-West-Beziehungen ist aus Pohls Sicht die Begegnung junger Menschen: „Wir verdanken es den Lehrern in Senden sowie in Koronowo, dass ein Schüleraustausch aller drei weiterführenden Schulen regelmäßig stattfindet. Insbesondere Frank Wittig, Direktor des JHG, engagiert sich diesbezüglich sehr stark.“ Auch der allererste Impuls zur Kontaktaufnahme mit Koronowo, die 2006 zur Gründung der DPG Senden und 2010 zur offiziellen Städtepartnerschaft geführt habe, sei im Jahr 2000 von den Schulen ausgegangen. „Seither sind wir auf einem guten Weg. Das Interesse an Polen und an unseren Angeboten ist in Senden in allen gesellschaftlichen Gruppen erstaunlich große“, konstatiert Pohl. In Koronowo sei diese Haltung aktuell weniger verbreitet. Es sei notwendig, dort neue Impulse anzustoßen.

Dazu könnte es 2020 kommen, wenn im Rahmen der Wiedereröffnung der Steverhalle die 30-jährige Partnerschaft mit Jessen sowie die zehnjährige Partnerschaft und die Freundschaft mit Senden an der Iller gefeiert werden, hofft der DPG-Vorsitzende.

Westfälische Nachrichten 06.12.2019

Bildungsreise der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Senden im August

Diesmal sollte es Ober – und Niederschlesien sein, daher begann die diesjährige Gruppenreise der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Senden Ende August in Katowice/Kattowitz und endete in Wroclaw/Breslau. Alle Ziele und Gesprächsrunden waren anspruchsvoll hinsichtlich ihrer politischen Aktualität in Polen wie auch der geschichtlichen Dimensionen. Vorstandsmitglied Leander Vierschilling hatte dazu den Verlauf der Reise konzipiert und zusammen mit dem polnischen Reiseführer Jan Gras die 33 Reiseteilnehmer*innen fachkundig geführt.

Mit dem Besuch des Schlesischen Museums in Kattowitz begann die Tour. Ein interaktiv höchst modern gestaltetes Museum, das in ausgewogener und authentischer Weise die Geschichte des Bergbaus in dieser Region darstellt. „Besonders beeindruckte mich“, so der Vorsitzende der DPG Hans-Jürgen Pohl, „wie historisch korrekt das Zusammenleben deutsch und polnisch sprechender Bewohner Oberschlesiens in preußischer Zeit, aber auch das dramatische Ende dieser Gemeinsamkeiten sowohl nach dem 1. als auch nach dem 2. Weltkrieg veranschaulicht werden.“ Der Besuch des Annabergs mit der dortigen Wallsfahrtskirche bei Opole/Oppeln bildete eine logische Folge des historischen Einstiegs in die Schlesienreise und war wohl einer der Höhepunkte. Der betagte deutsche Restaurator und Maler Georg Mitschke führte selbst durch „seine Kirche“. Seit Jahrzehnten gestaltet er dieses barocke Kleinod aus. Leander Vierschilling kennt ihn seit vielen Jahren: „Georg Mitschke wird sowohl in Polen wie in Deutschland als Künstler und Kenner der schlesischen Geschichte anerkannt und geschätzt.“
Weiter ging es über Nysa/Neiße – die Partnerstadt von Lüdinghausen – ins Glatzer Bergland. Die alte Festungsanlage oberhalb der Stadt Kłodzko/Glatz war ein Muss für die Gruppe. Diese militärische Anlage vergangener Zeiten erinnert sowohl an die österreichische als auch preußische Vergangenheit des Glatzer Berglands.

Die Fahrt durch die Gebirgslandschaft des sich anschließenden Sudetenlandes vermittelte einen Eindruck der landschaftlichen Schönheiten des heutigen Grenzlandes zwischen Polen und Tschechien. Kudowa Zdrój/Bad Kudowa wurde zum Ausgangspunkt einiger besonders schöner Ausflüge der Gruppe. So wurde die Wanderung durch die Felsenlandschaft von Adrspasske/Adersbach in Tschechien zu einem Erlebnis. Der Besuch der Internationalen Jugendbegegnungstätte Kryzowa/Kreisau bei Swidnica/Schweidnitz hatte gleich zwei historische Bezüge: zum einen den Widerstand gegen das NS-Regime von 1942 bis 1944 unter James Graf Moltke mit dem Kreisauer Kreis und zum anderen die Begegnung und versöhnende Umarmung von Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Masowiecki 1989, die zum Symbol der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland wurde,
Wie es um Polen heute bestellt ist, in gesellschaftlicher, politischer, sozialer und auch kirchlicher Hinsicht, das vermittelte Reiseführer Jan Gras auf engagierte Weise: „Dem Land ging es wirtschaftlich noch nie so gut. Wir haben vor allem in und um die Großstädte herum praktisch keine Arbeitslosigkeit. Doch die national-konservative Politik der derzeitigen Regierung führt zu einer Spaltung der Gesellschaft, die bis in die Familien reicht.“

Der Besuch Breslaus, der Hauptstadt der Wojwodschaft Niederschlesien, bildete den Abschluss der Reise. Hier konnten die Reiseteilnehmer*innen eintauchen in eine Altstadt, die seit 2006 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört….

Deutsch-Polnische Gesellschaft Senden, Hans-Jürgen Pohl 28.08.2019

Bilder:
1.    Die Reisegruppe aus Mitgliedern und Freunden der DPG Senden in Glatz
2.    Gregor Mitschke demonstriert wie er den Sockel eines Altars vergoldet

Senden - Das Ziel der sechsten Fahrradtour der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Senden waren in diesem Jahr einige Bauerschaften von Senden und Lüdinghausen. Über 30 Radler – mit und ohne E-Motor – geleitete Franz-Josef Lintel-Höping (mit gelber Weste) zunächst zum Gut Forstmannshof in Lüdinghausen. In einer eindrucksvollen und informativen Führung, so die Pressemitteilung des Vereins, vermittelte Inhaberin Agnes Böcker den Teilnehmern Kenntnisse über Himbeerkulturen und die Spargelproduktion. Beim anschließenden Besuch der Alpaka-Farm der Familie Näsemann auf Gut Aldenhövel erfuhren die Radler alles über die wertvolle Wolle und deren Produkte dieser südamerikanischen Tiere. Den Ausklang bildete traditionell der Grillabend auf dem Anwesen der Familie Lintel-Höping.

Westfälische Nachrichten 29.05.2019

Lesung Artur Becker


-hha- Senden - Eine Nation, in der die Freiheit mehr wert ist als autoritäre Machtbestrebungen. In der kulturelle Wurzeln geschätzt werden und ein jeder willkommen ist. Und eine Nation, die auch den „unaufhörlichen Weltenbrand“ übersteht? Dieses „Kosmopolen“ – Artur Beckers Utopie – scheint in den heutigen Zeiten in weiter Ferne zu liegen. Doch seinen gebannten Zuhörern in Senden erschuf der polnisch-deutsche Autor diesen Staat moderner Europäer vielschichtiger Identitäten mit Leichtigkeit.


Und bewies dabei, wie verwoben die Nachbarländer Deutschland und Polen sind: Becker, 1968 im polnischen Bartoszyce geboren und 1985 nach Deutschland ausgewandert, lässt sich ohne Zweifel als Experte für diese Beziehung bezeichnen. „Artur Becker ist jemand, der das komplexe deutsch-polnische Verhältnis authentisch kennt“, erklärte auch Hans-Jürgen Pohl, Vorsitzender der deutsch-polnischen Gesellschaft, die die Lesung am Freitag mit der Gemeinde Senden organisiert hatte.

„Ich kam nicht – obwohl es verständlich gewesen wäre – mit Hass im Herzen nach Deutschland“, stellte der Schriftsteller klar. Mit seinen Werken „Drang nach Osten“ und „Kosmopolen“ setzte sich Becker, der aus dem ehemaligen Ostpreußen stammt, auch bei der Lesung in Senden für Völkerverständigung ein. Ohne dabei aber die in der Vergangenheit begangenen Verbrechen der Deutschen im überfallenen und besetzten Polen außer Acht zu lassen.

Den zahlreichen Zuhörern im Bürgersaal des Rathauses brachte der Schriftsteller mit Auszügen aus seinen Romanen und Essays nicht nur seine Jugend im Internat in der DDR oder Perspektiven auf den historischen Sozialismus in Polen näher, sondern auch die Macht der Sprache und Erklärungsversuche für die PIS-Partei in seinem Heimatland. Trotz politisch eher düster erscheinenden Zeiten, geprägt von Brexit und wachsendem Populismus, hielt sich Becker an der Hoffnung fest und bekannte sich zu seiner freiheitsliebenden, offenen und demokratischen Utopie: „Mein größter Erfolg ist es, auch aus Deutschen Kosmopolen zu machen“, betonte der Autor.

Westfälische Nachrichten 01.04.2019