Freundschaft bekommt neuen Schub
Von Dietrich Harhues
SENDEN. Die deutsch-polnische Freundschaft hat Zukunft. Denn die Kontakte zwischen beiden Ländern werden – was die Beziehung zwischen Senden und Koronowo angeht – auch und gerade durch die junge Generation aufrechterhalten: Angehörige aller drei weiterführenden Schulen aus Senden trafen sich in diesem Jahr auf ihrer Gedenkstättenfahrt mit polnischen Schülerinnen und Schülern. Auch Begegnungen in der Stevergemeinde und ihrer Partnerstadt stehen auf der Wunschliste. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft unterstützt diesen Brückenschlag und freut sich, dass die Bande intensiver werden. „Alle kamen mit so viel Enthusiasmus zurück.“
Vielleicht ist die neue Schubkraft – nach einem Dämpfer durch die Corona-Zeit – eine Art Geburtstagsgeschenk, denn die Deutsch-Polnische Gesellschaft begeht das 20-jährige Bestehen. Was alle bestätigen, die den Austausch erlebt haben: „Die Menschen in Polen sind viel offener und aufgeschlossener als erwartet.“ Ressentiments gegenüber Deutschland und den Deutschen seien in der Politik von der PiS-Partei geschürt worden, entsprächen aber nicht der Haltung der Bevölkerung, betonten Grazyna Maria Brandes, Vorsitzende der DPG Senden, und Vorstandsmitglied Leander Vierschilling im Pressegespräch.
Diese positive Zugewandtheit sei nicht selbstverständlich angesichts der „komplexen und schwierigen Geschichte“ beider Länder, wie Vierschilling hervorhob. Der Beteiligung Deutschlands an den polnischen Teilungen sowie den Millionen Toten und den Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg zum Trotz habe es „einen unglaublichen Versöhnungsprozess“ gegeben.
Eben dieser ist Thema der Ausstellung „Bartoszewski – Widerstand – Erinnerung – Versöhnung“, die am 15. September (Dienstag) um 19 Uhr von dem Politikwissenschaftler und ehemaligen Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau, Klaus Ziemer, im Foyer des Rathauses eröffnet und dort bis zum 25. September zu sehen sein wird. Die Ausstellung, zu der alle Interessierten eingeladen sind, ist Bestandteil der Geburtstagsaktivitäten des Vereins. Wladislaw Bartoszewski, der 2015 verstarb, war Historiker, Publizist, Politiker und zweimaliger Außenminister Polens. Als Abiturient wurde er festgenommen und ins Stammlager Auschwitz deportiert. Die Ausstellung, so die DPG Senden, soll nicht nur das Lebenswerk Bartoszewski vermitteln, sondern auch dazu animieren, Freundschaften zwischen Deutschland und Polen zu pflegen.
Sein Jubiläum feiert der Verein, mit 106 Mitgliedern einer der großen seiner Art in Deutschland, am 2. Oktober (Freitag) auch mit einem Vortrag des Generalkonsuls der Republik Polen, Marek Gluszko, der ab 19 Uhr im Alten Zollhaus über die deutsch-polnischen Beziehungen im 21. Jahrhundert spricht.
Am 3. Oktober (Samstag) stellt die DPG Senden sich und ihre Arbeit in der Zeit von 10.30 bis 16 Uhr mit einem Tag der offenen Tür im Alten Zollhaus vor. Der Jubiläums-Gastgeber freut sich besonders, an diesem Tag den Generalkonsul, Gäste aus Koronowo, Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik und der weiterführenden Schulen sowie Bürgerinnen und Bürger begrüßen zu dürfen.
Westfälische Nachrichten, 26.08.2026
