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Senden -
Wie lässt sich die Freundschaft pflegen, damit sich Verschleißerscheinungen nicht so auswirken? Dieser Frage gingen Vertreter der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Senden, Lüdinghausen und Nottuln bei einem Erfahrungsaustausch nach.

Der Spruch mag pathetisch klingen, aber echte Freundschaften sind unzerbrechlich. Bestes Beispiel: die Städtepartnerschaft zwischen Senden und dem polnischen Koronowo. Dass sich aber im Laufe der Jahre und Jahrzehnte, aus welchen Gründen auch immer, Verschleißerscheinungen zeigen können, scheint unvermeidlich. Wie man denen nun begegnen, beziehungsweise sie sogar zu Verbesserungen der Beziehungen nutzen kann, wollten die Sendener nun genauer wissen. Aus diesem Grund luden sie am Montagabend die Vertreter der deutsch-polnischen Nachbargesellschaften aus Lüdinghausen und Nottuln zu einem Erfahrungsaustausch nach Senden ein.

Erstere, die über ihr Gymnasium „Canisianum“ mit dem „Lyceum Carolinum“ im polnischen Nysa („Neisse) freundschaftlich verbunden sind; die Nottulner, die seit knapp einem Vierteljahrhundert eine Städtefreundschaft mit dem polnischen Städtchen Chodziez pflegen.

So konnten Hans Jürgen Pohl, Grazyna Brandes und Vera Prengel vom Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (dpg) Senden aus Lüdinghausen den dpg-Vorsitzenden Karl Heinz Kocar mit Freunden und aus Nottuln den Komitee-Vorsitzenden der dortigen dpg, Robert Hülsbusch, mit zahlreich mitgereisten Gymnasial- und Realschul-Pädagogen begrüßen. Nicht zu vergessen den ehemaligen Leiter des „Berufskolleg Ahaus“, Josef Lütkecosmann, der sich als Nottulner Bürger dem Freundschaftspakt der beiden Kommunen schon vor Jahren mit seiner Schule angeschlossen hatte.


Bei all den vorgetragenen Erfahrungen kristallisierten sich bald Erfahrungen heraus, die wohl für alle Standorte gelten. Zum Beispiel, dass die Klassenreisen nach Polen wie auch umgekehrt an Attraktivität verloren haben. Für die Schülerinnen und Schüler der hiesigen Schulen sind die Bedingungen zugleich härter geworden. Nur das Berufskolleg Ahaus war bisher in der Lage, eine ganze Klasse für eine Woche verreisen zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler anderer Schulen verlieren bei mehrtägigem Fehlen im Unterricht viel an Lehrstoff. Hinzu kam, dass immer weniger Eltern bereit waren, neben Familie und Job auch noch Besucher tagelang betreuen zu müssen.

Umgekehrt: Für die jungen Freunde aus Polen ist Deutschland seit der zunehmenden Transparenz zwischen beiden Ländern nicht mehr ganz so spannend wie früher. Außerdem zu teuer.

Dem haben die Organisatoren hier zwar teilweise begegnen können, in dem sie ihre finanzielle Unterstützung durch die Kommen und dem deutsch-polnischen Jugendwerk halt gesplittet haben – hüben und drüben aufgeteilt. Noch sinnvoller aber stellte sich heraus, waren Bemühungen, polnische und deutsche Jugendliche während ihrer reisen für Tage gemeinsam in Jugendherbergen oder Jugendheimen unterzubringen. Eine der interessantesten Tipps bekamen die Teilnehmer der Runde aus Ahaus. Hier hat man dem Austausch der zumeist schon älteren Schüler mit 14-tägigen Praktika verbunden. Mit großem Erfolg, auch in den Betrieben.

Was alle Freundschaften aber am Leben hält, sind die vielen jährlichen Reisen der Gesellschaften mit Freunden zu Freunden. Denn als Hans Jürgen Pohl Bilanz ziehen konnte, dann war es vor allem die Erkenntnis: „So herzlich, so liebenswürdig und gastfreundschaftlich, wie wir immer in Polen empfangen und betreut werden, ist unglaublich. So sind wir gehalten, auch für unsere Schüler weiterhin Wege dorthin zu finden.“

„So herzlich, so liebenswürdig und gastfreundschaftlich, wie wir immer in Polen empfangen und betreut werden, ist unglaublich.“
Hans Jürgen Pohl


Westfälische Nachrichten - Dieter Klein - 20.04.2016